{"id":1433,"date":"2013-06-03T01:17:31","date_gmt":"2013-06-02T23:17:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.energiewendeheilbronn.de\/blog\/?p=1433"},"modified":"2013-06-04T23:44:22","modified_gmt":"2013-06-04T21:44:22","slug":"akw-ruckbau-die-buchse-der-pandora-wird-geoffnet-dritte-abbaugenehmigung-fur-kwo-ist-erteilt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/2013\/06\/03\/akw-ruckbau-die-buchse-der-pandora-wird-geoffnet-dritte-abbaugenehmigung-fur-kwo-ist-erteilt\/","title":{"rendered":"AKW-&#8222;R\u00fcckbau&#8220;: Die B\u00fcchse der Pandora wird ge\u00f6ffnet. Dritte Abbaugenehmigung f\u00fcr KWO ist erteilt."},"content":{"rendered":"<p><a href=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Pandoradioaktiv_300x400px.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1434\" alt=\"Die B\u00fcchse der Pandora: AKW-Abbau bringt Massen an radioaktivem Material in Umlauf\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Pandoradioaktiv_300x400px-150x200.jpg\" width=\"150\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Pandoradioaktiv_300x400px-150x200.jpg 150w, http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Pandoradioaktiv_300x400px-250x333.jpg 250w, http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Pandoradioaktiv_300x400px.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><strong>Die Rechnung kommt am Schluss<\/strong>:<\/p>\n<p>wenn ein AKW stillgelegt wird, dann hinterl\u00e4sst es nicht nur den hochradioaktiven M\u00fcll der Brennelemente in Reaktor und Abklingbecken, in den Castoren im Standortlager und in Gorleben, nicht nur das hochradioaktive Material z.B. in La Hague und Sellafield inklusive der angrenzenden Meere sowie der aus diesen Atomfabriken beschickten russischen Freiluft-Deponien, es hinterl\u00e4sst nicht nur den M\u00fcll des Uranabbaues und der Brennelemente-Produktion und auch nicht nur die \u00fcber Jahrzehnte hinweg per Abluft und Abwasser verbreiteten strahlenden Stoffe, nicht nur (besonders im Falle Obrigheim) den durch Karlsruhe gegangenen Skandal-M\u00fcll in der Asse. Auch nicht nur den schon im laufenden Betrieb &#8222;entsorgten&#8220; schwach- und mittelradioaktiven M\u00fcll, wie er dann z.B. als &#8222;freigemessener&#8220; Sonderm\u00fcll unter Heilbronn im Salzbergwerk oder an \u00e4hnlichen Orten versteckt wurde oder auch einfach noch in Kellern und Lagerr\u00e4umen des AKWs liegt.<\/p>\n<p>Nein, so <strong>ein AKW ist selbst radioaktiver M\u00fcll<\/strong>. Strahlende und kontaminierte Anlagen, Werkzeuge, Geb\u00e4ude. Hunderttausende Tonnen an Material. Wohin damit?\u00a0<!--more--> Selbst in einem ehemaligen Steinbruch wie in Neckarwestheim fabuliert man davon, &#8222;wieder eine gr\u00fcne Wiese&#8220; schaffen zu wollen. Dabei gibt es folgende Hauptprobleme:<\/p>\n<ul>\n<li>Radioaktivit\u00e4t l\u00e4sst sich nicht waschen, verbrennen, chemisch umwandeln usw.<\/li>\n<li>Jeder einzelne Handhabungsschritt f\u00fchrt zu einer Vermehrung des radioaktiven M\u00fclls. Es kann zwar teilweise gelingen, Radioaktivit\u00e4t in kleinerer Stoffmenge h\u00f6her anzureichern, trotzdem steigt zwangsl\u00e4ufig mit jedem Schritt die Gesamtmenge aus unterschiedlich stark strahlenden Stoffen.<\/li>\n<li>Es handelt sich schlicht um extrem gro\u00dfe Materialmengen.<\/li>\n<li>Radioaktivit\u00e4t bleibt \u00fcber unermesslich lange Zeitr\u00e4ume. Selbst relativ schnell zerfallende Stoffe haben nach 10 Halbwertsteiten immer noch 1 Promille der Ausgangsstrahlung, und es sind evtl. ebenfalls wieder strahlende neue Nuklide entstanden. Und die Faustregel ist: was schneller zerf\u00e4llt, strahlt daf\u00fcr st\u00e4rker. Also reicht es nicht, einfach auf das Abklingen der Radioaktivit\u00e4t zu warten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Welche <strong>Strategien<\/strong> haben deshalb die Atom-Verantwortlichen?<\/p>\n<ul>\n<li>Verharmlosen und Vertuschen. Wenn sich \u00d6feentlichkeitsbeteiligung nicht ganz verhindern l\u00e4sst, dann soll sie wenigstens ausgebremst werden.<\/li>\n<li>Die L\u00fcge mit den Grenzwerten: obwohl wissenschaftlich haltlos, wird noch immer argumentiert, Gefahren best\u00fcnden erst bei \u00dcberschreitung von Grenzwerten. Dabei sind Grenzwerte f\u00fcr Radioaktivit\u00e4t nichts anderes als &#8218;Optimierungs&#8217;rechnungen zwischen Aufwand f\u00fcr die Betreiber einerseits und Schaden f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung und die Natur andererseits.<\/li>\n<li>&#8222;Freimessen&#8220; und &#8222;Freiputzen&#8220; vom radioaktivem M\u00fcll, um m\u00f6glichst gro\u00dfe Mengen aus der Strahlenschutz\u00fcberwachung entlassen und ggf. sogar in die Wertstoffwirtschaft abgeben zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Verheimlichen des Verbleibs sowohl des offiziell noch radioaktiven als auch vor allem des &#8222;freigemessenen&#8220; M\u00fclls.<\/li>\n<li>Die Fiktion, man kenne sich mit dem R\u00fcckbau von AKWs aus und es handele sich dabei um bew\u00e4hrte Arbeitsabl\u00e4ufe, obwohl in Wirklichkeit nichts davon Routine und vollst\u00e4ndig beherrscht ist. Was in einer nicht verstrahlten Industrieanlage beim Abriss verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig simpel sein mag, ist in einer verstrahlten Anlage ein Kunstst\u00fcck oder gleich ganz unm\u00f6glich. F\u00fcr freigesetzte Radioaktivit\u00e4t ist es \u00fcbrigens kaum von Bedeutung, ob sie wegen unsystematischer Schlamperei oder wegen eines systematischen Spardiktats in die Umwelt kommt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Fazit: <strong>als w\u00e4re der Betrieb eines AKWs nicht schon schlimm genug, so setzt der Abriss noch extra Gefahren und Umweltsch\u00e4den hinzu<\/strong>. Und manches Problem, das w\u00e4hrend des Betriebs noch unter dem Teppich gehalten werden konnte, tritt beim Abriss erst offen zu Tage.<\/p>\n<p>Wie gut, dass die AKW-Betreiber nicht einfach machen k\u00f6nnen was sie wollen, sondern unter guter \u00f6ffentlicher Kontrolle stehen, oder?<br \/>\nFalsch!<br \/>\nEs sind alleine die Betreiber, die \u00fcber die grobe Strategie und die Details der Stilllegung und des Abrisses entscheiden. Die Atomaufsicht kann Auflagen machen, aber nicht das Vorgehen festlegen. Kontrolle durch die Atomaufsicht hei\u00dft auch keinesfalls \u00f6ffentliche Kontrolle, wie wir am Beispiel Obrigheim sehen. Sondern die \u00d6ffentlichkeit wird, abgesehen von einzelnen oberfl\u00e4chlichen Alibi-Veranstaltungen, bewusst dumm gehalten. \u00dcberall dort, wo es besonders auf Transparenz ankommt, wie bei der Erfassung des radioaktiven Inventars und bei den Deponie- und Verwertungswegen des Materials, da wird gemauert. Und das Vertrauen in die baden-w\u00fcrttembergische Atomaufsicht ist ohnehin schwach, ist die Landesregierung doch mit der linken Hand Aufsicht und mit der rechten Hand Betreiber.<\/p>\n<p><strong>Nun zur aktuellen Situation:<\/strong><br \/>\nAm 27.5.13 ver\u00f6ffentlichte die badenw\u00fcrttembergische Atomaufsicht in der Rhein-Neckar-Zeitung die folgende <a title=\"Amtliche Bekanntmachung der &quot;3. Abbaugenehmigung (3. AG) f\u00fcr das Kernkraftwerk Obrigheim&quot;\" href=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/2013-05-27_RNZ_KW_Obrigheim_3AG.pdf\" target=\"_blank\">Amtliche Bekanntmachung der &#8222;3. Abbaugenehmigung (3. AG) f\u00fcr das Kernkraftwerk Obrigheim&#8220;<\/a>.<br \/>\nObwohl der <strong>Abriss des AKWs in Obrigheim<\/strong> \u00fcberregionale Auswirkungen hat, sind weder die Bekanntmachung noch die Genehmigung \u00fcberregional ver\u00f6ffentlicht oder einzusehen, auch nicht auf der Homepage des Ministeriums. Man hat jetzt gerade einmal 2 Wochen Zeit (bis Di. 11.6.), um die Genehmigung vor Ort im Ministerium und im Rathaus Obrigheim einzusehen, zu recht beschr\u00e4nkten \u00d6ffnungszeiten, und vermutlich die zugrunde liegenden Unterlagen. [Update 4.6.13: heute nachmittag wurde der <a title=\"3. Abbaugenehmigung jetzt doch online\" href=\"http:\/\/www.um.baden-wuerttemberg.de\/servlet\/is\/77921\/KWO%20Dritte%20Stilllegungsgenehmigung.pdf?command=downloadContent&amp;filename=KWO%20Dritte%20Stilllegungsgenehmigung.pdf\" target=\"_blank\">Genehmigungstext doch noch online<\/a> gestellt]<\/p>\n<p>Die Bekanntmachung enth\u00e4lt einen \u00fcblen <strong>Trick<\/strong>, mit dem man die Blockade der \u00d6ffentlichkeitsbeteiligung bei drei der 4 Genehmigungsteile formal rechtfertigen will. Es geht um den Widerspruch, dass die 3. AG einerseits relevante Genehmigungsinhalte hat, die zum Zeitpunkt der 1. Stilllegungs- und Abbau-Genehmigung (1. SAG) noch nicht bekannt waren, und dass die Beh\u00f6rde gleichzeitig behauptet, alle wesentlichen Inhalte seien schon in der \u00d6ffentlichkeitsbeteiligung der 1. SAG enthalten gewesen.<br \/>\nDa fragt man sich: w\u00fcrde die 1. SAG tats\u00e4chlich schon alle relevanten Inhalte behandeln, wof\u00fcr braucht es dann \u00fcberhaupt noch die 2. SAG und die 3. und 4. AG?<br \/>\nWir m\u00fcssen uns bei GKN 1\/2 und KKP 1\/2 auf den gleichen Trick mit dem &#8222;Stilllegungsreglement&#8220; einstellen.<br \/>\nKonkret sieht dieser Winkelzug so aus:<br \/>\n<em>&#8222;Der Abbau im Rahmen dieses Bescheids erfolgt unter Geltung des mit der 1. Stilllegungs- und Abbaugenehmigung vom 28.08.2008 (1. SAG) genehmigten und mit der 2. Stilllegungs- und Abbaugenehmigung vom 24.10.2011 (2. SAG) in ge\u00e4nderter Form weitergef\u00fchrten Stilllegungsreglements des KWO. Das Stilllegungsreglement ist nicht Gegenstand dieses Bescheids und wird durch diesen Bescheid<\/em><br \/>\n<em> nicht ge\u00e4ndert.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Immerhin wird in dieser Formulierung zugegeben, dass das &#8222;Stilllegungsreglement&#8220; damals durch die 2. SAG ver\u00e4ndert worden ist. Dies k\u00f6nnte ein wichtiges Argument zur St\u00fctzung der Klage der <a title=\" Initiative AtomErbe Obrigheim\" href=\"http:\/\/www.atomerbe-obrigheim.de\" target=\"_blank\">Initiative AtomErbe Obrigheim<\/a> gegen die 2. SAG sein.<\/p>\n<p>Auch bemerkenswert:<br \/>\nIn der Rechtsbehelfsbelehrung steht, dass der Bescheid nach dem 11.6.13 auch gegen\u00fcber Dritten als zugestellt gelte, &#8222;die keine Einwendungen erhoben haben&#8220;. Wie h\u00e4tte man denn Einwendungen erheben k\u00f6nnen, wenn Minister Untersteller solche zu keinem Zeitpunkt zugelassen hat?<\/p>\n<p><strong>Vor wenigen Tagen hat die EnBW erste Genehmigungsantr\u00e4ge zu Stilllegung und Abbau der Bl\u00f6cke 1 in Philippsburg und Neckarwestheim beim Umweltministerium eingereicht<\/strong>.<br \/>\nDie Antr\u00e4ge k\u00f6nnen hier abgerufen werden:<br \/>\n<a title=\"Antrag der Stilllegungs- und ersten Abbaugenehmigung im GKN I und KKP 1\" href=\"http:\/\/www.um.baden-wuerttemberg.de\/servlet\/is\/106142\/\" target=\"_blank\">Antrag der Stilllegungs- und ersten Abbaugenehmigung im GKN I und KKP 1<br \/>\n<\/a>Schon der kurze Begleittext enth\u00e4lt bemerkenswerte Details.<\/p>\n<p><strong>Weitere Infos auf der Homepage des Untersteller-Ministeriums:<\/strong><br \/>\n<a title=\"Pressemitteilung zur 3. AG f\u00fcr KWO\" href=\"http:\/\/www.um.baden-wuerttemberg.de\/servlet\/is\/105924\/\" target=\"_blank\">Pressemitteilung zur 3. AG f\u00fcr KWO<br \/>\n<\/a><a title=\"Informelle \u00d6ffentlichkeitsarbeit zu KWO\" href=\"http:\/\/www.um.baden-wuerttemberg.de\/servlet\/is\/95181\/\" target=\"_blank\">Seite zur informellen \u00d6ffentlichkeitsarbeit zu KWO<\/a><br \/>\n<a title=\"Einige fr\u00fchere Genehmigungen von Atomanlagen\" href=\"http:\/\/www.um.baden-wuerttemberg.de\/servlet\/is\/77921\/\" target=\"_blank\">Einige fr\u00fchere Genehmigungen baden-w\u00fcrttembergischer Atomanlagen<\/a><\/p>\n<p><strong>Weitere Links:<\/strong><br \/>\n<a title=\"Arte Themenabend &quot;R\u00fcckbau&quot; und &quot;Endlagerung&quot;\" href=\"http:\/\/future.arte.tv\/de\/thema\/akw-rueckbau-zu-welchem-preis\" target=\"_blank\">arte-Themenabend AKW-&#8222;R\u00fcckbau&#8220; und &#8222;Endlagerung&#8220;<\/a><br \/>\n<a title=\" Initiative AtomErbe Obrigheim\" href=\"http:\/\/www.atomerbe-obrigheim.de\" target=\"_blank\">Initiative AtomErbe Obrigheim<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Rechnung kommt am Schluss: wenn ein AKW stillgelegt wird, dann hinterl\u00e4sst es nicht nur den hochradioaktiven M\u00fcll der Brennelemente in Reaktor und Abklingbecken, in den Castoren im Standortlager und in Gorleben, nicht nur das hochradioaktive Material z.B. in La Hague und Sellafield inklusive der angrenzenden Meere sowie der aus diesen Atomfabriken beschickten russischen Freiluft-Deponien, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[31,3,20,8,22,29],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1433"}],"collection":[{"href":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1433"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1433\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1438,"href":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1433\/revisions\/1438"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1433"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1433"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1433"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}