{"id":250,"date":"2011-06-04T10:30:29","date_gmt":"2011-06-04T08:30:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.energiewendeheilbronn.de\/blog\/?p=250"},"modified":"2011-08-25T23:37:19","modified_gmt":"2011-08-25T21:37:19","slug":"250","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/2011\/06\/04\/250\/","title":{"rendered":"Macht die EnBW die Energiewende?"},"content":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte hier versuchen die EnBW aus der Perspektive der Energiewende (gemeint als Prozess &#8211; nicht das Heilbronner B\u00fcndnis) zu betrachten. Der Begriff &#8222;Energiewende&#8220; wird sehr unterschiedlich definiert. Das &#8222;Aktionsb\u00fcndnis Energiewende Heilbronn&#8220; versteht ihn so:<\/p>\n<p>&#8222;vollst\u00e4ndige Ausrichtung auf eine regenerative und dezentrale Energieversorgung&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;vollst\u00e4ndig regenerativ&#8220;<br \/>\nIst vermutlich klar und wird eigentlich von allen Akteuren inzwischen geteilt.<\/p>\n<p>&#8222;vollst\u00e4ndig dezentral&#8220;<br \/>\nBedarf einer genaueren Betrachtung und wird in der Bedeutung kaum ausreichend \u00f6ffentlich betrachtet.<!--more--><\/p>\n<p>Dezentral bedeutet dass die Produktion der Energie<br \/>\na) in vielen kleinen Anlagen erfolgt und<br \/>\nb) auch im Besitz vieler geschieht<\/p>\n<p>Die Geschwindigkeit mit der die Energiewende in Deutschland in den letzten Jahren ablief, beruht fast ausschlie\u00dflich auf dem von Hermann Scheer (leider letzten Jahr verstorbener, aber meiner Meinung nach sehr wichtiger SPD-Politiker) initiierten EEG. Das erm\u00f6glicht es jeder\/m B\u00fcrgerIn rentabel in erneuerbare Energien zu investieren. Wenn man die Investitionen der 4 gro\u00dfen EVUs und die der B\u00fcrgerInnen vergleicht stellt man fest, dass die Investitionen der EVUs inzwischen deutlich kleiner als die dezentralen Investitionen sind.<\/p>\n<p>Die Gro\u00dfen EVUs haben in ihren Bilanzen sehr gro\u00dfe Werte\/stille Reserven in teilweise abgeschriebenen fossilen und atomaren Kraftwerken. Eine Investition in Erneuerbare Energien, kleinr\u00e4umig und dezentral, ist im Vergleich zu diesen Kraftwerken f\u00fcr die EVUs einerseits aufw\u00e4ndig und andererseits auch wirtschaftlich weniger interessant. Es wird f\u00fcr die 4 Gro\u00dfen zunehmend schwieriger ihre Marktposition zu halten und der Wandel wird immer schneller von statten gehen.<\/p>\n<p>Dadurch dass mit den B\u00fcrgerInnen jetzt aber andere Akteure in die Energieproduktion einsteigen, ergibt sich f\u00fcr die EVUs mehr und mehr ein Problem:<br \/>\nSie k\u00f6nnen ihre bestehenden Kraftwerke nicht mehr optimal betreiben (Grundlastkraftwerke nicht mehr immer, Mittellast nicht mehr lang genug und Spitzenlast zu h\u00e4ufig). Dadurch sinken ihre Gewinnmargen und entsprechend k\u00f6nnen sie auch immer weniger investieren. Sie verlieren Marktanteile.<\/p>\n<p>Gleichzeitig mit diesem Prozess w\u00e4chst auf der &#8222;Gegenseite&#8220; die Erneuerbare-Energien-Branche. Die kann nur bestehen wenn sie w\u00e4chst. Sie macht also mehr und mehr Marketing, weitet ihren Vertrieb aus, mischt sich in Wahlk\u00e4mpfe ein (siehe Landtagswahlkampf in BW) und senkt durch h\u00f6here Produktion die Preise und macht so Erneuerbare Energien immer interessanter.<\/p>\n<p>Hermann Scheer beschreibt diesen Prozess (viel ausf\u00fchrlicher als ich gerade) in seinem letzten Buch als &#8222;ultimative Beschleunigung&#8220; (&#8222;Der energethische Imperativ: 100% jetzt: Wie der vollst\u00e4ndige Wechsel zu erneuerbaren Energien zu realisieren ist&#8220;).<\/p>\n<p>F\u00fcr RWE, EON und Vattenfall k\u00f6nnte uns das eigentlich egal sein \u2013 das ist deren Problem (wobei die Gewerkschaften sich hier auch Gedanken machen m\u00fcssen). F\u00fcr die landeseigene EnBW m\u00fcssen wir uns aber, auf jeden Fall Gedanken dar\u00fcber machen, welchen zukunftsf\u00e4higen Platz es f\u00fcr dieses Unternehmen in einer zuk\u00fcnftig nachhaltigen Energieversorgung gibt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Entwicklung einer derartigen Strategie ist hier sicherlich nicht genug Raum und Know How vorhanden, aber vor dieser Strategie muss eine Vision unserer zuk\u00fcnftigen Energieversorgung stehen. Z.B. die BMU-Studie \u201e100% erneuerbar\u201c gibt hierf\u00fcr fundierte und detaillierte Anhaltspunkte. Rollen eines zentralen landeseigenen Energieversorgers k\u00f6nnten demnach im Bereitstellen und betreiben von gro\u00dfen Speichern, Kraftwerken f\u00fcrs Lastmanagement, Bereitstellen von Informationen f\u00fcr dezentrale Informationstechnik zur Steuerung der Netze und Dienstleistungen in diesem Sektor sein. Auch zentrale Forschung und Entwicklung und Bereitstellen von Dienstleistungen in diesem Umfeld k\u00f6nnen das gute Know How der EnBW-Mitarbeiter nutzen.<\/p>\n<p>Ob die EnBW \u00fcberhaupt einen derartigen Weg gehen will und kann? Auf jeden Fall aber wird die EnBW schrumpfen und anstelle eines zentralen gro\u00dfen alles dominierenden Stromversorgers wird es viele kleine bis mittelgro\u00dfe Akteure geben \u2013 in allen Bereichen der Stromversorgung: Erzeugung und Speicherung, Verteilung und Vertrieb. Ob der Netzbetrieb f\u00fcr die EnBW in einem zunehmend durch Konkurrenz belebten Markt ein zukunftsweisendes Bet\u00e4tigungsfeld bleibt? Das m\u00fcssen die Kapitalgeber der EnBW entscheiden. Die Strategie der Stadtwerke Schw\u00e4bisch Hall \u2013 alles aus einer kommunalen Hand \u2013 spricht dagegen. Und auch diese Stadtwerke geh\u00f6ren dem B\u00fcrger.<\/p>\n<p>Die Kommunen mit ihren kommunalen Stromnetzen stehen vor der Frage ob sie ihre Netze (und damit die sichere Energieversorgung ihrer B\u00fcrger) weiterhin an einen Konzern geben, der vor sehr gewaltigen Herausforderungen und einem Schrumpfungsprozess steht. Oder ob sie (wieder) eigene vollst\u00e4ndige Stadtwerke gr\u00fcnden. Dann bekommen sie die hoch qualifizierten Mitarbeiter von der EnBW zur\u00fcck und die Einnahmen aus dem Netzbetrieb sind garantiert (Bundesnetzagentur). Gleichzeitig m\u00fcssen neue Stadtwerke keine R\u00fccksicht auf die Gewinnspannen von bestehenden konventionellen Kraftwerken nehmen und k\u00f6nnen mit der starken Kommune im R\u00fccken (und zusammen mit ihren B\u00fcrgerInnen) zielgerichtete Investitionen in erneuerbare Energien und KWK-Anlagen leisten.<\/p>\n<p>Die ZEAG (als EnBW-Tochter und Stromvertriebsunternehmen) steht vor den selben Herausforderungen. Beispielsweise plant sie in den n\u00e4chsten 10 Jahren j\u00e4hrlich 10 Millionen in neue Kraftwerke zu investieren. Damit kann sie aber nicht bis sp\u00e4testens 2022 (wenn die aktuelle Bundesregierung GKN 2 abschaltet) oder sogar fr\u00fcher den bisherigen hohen Atomstromanteil f\u00fcr Heilbronn ersetzen und unsere zuk\u00fcnftige Stromversorgung sicher gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>Wir B\u00fcrgerInnen machen die Energiewende!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte hier versuchen die EnBW aus der Perspektive der Energiewende (gemeint als Prozess &#8211; nicht das Heilbronner B\u00fcndnis) zu betrachten. Der Begriff &#8222;Energiewende&#8220; wird sehr unterschiedlich definiert. 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