{"id":404,"date":"2011-07-18T08:56:27","date_gmt":"2011-07-18T06:56:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.energiewendeheilbronn.de\/blog\/?p=404"},"modified":"2011-08-25T23:27:20","modified_gmt":"2011-08-25T21:27:20","slug":"die-konzerne-profitieren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/2011\/07\/18\/die-konzerne-profitieren\/","title":{"rendered":"Die Konzerne profitieren"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em>Nach Fukushima b\u00f6te sich die Chance einer Wende hin zur dezentralen Energieversorgung. Doch stattdessen n\u00fctzen die neuen Gesetze vor allem den gro\u00dfen Energieunternehmen<\/em><\/p>\n<p>Ein bereits gebautes Atomkraftwerk ist f\u00fcr den Betreiber ein Goldesel, der kaum ersetzt werden kann. Der deutsche Atomausstieg trifft die vier gro\u00dfen Energiekonzerne daher sehr empfindlich. Aber die Regierung hat ein Trostpflaster parat: Bei den beschlossenen Gesetzen zur Energiewende sind Eon, RWE und Co. wieder die gro\u00dfen Profiteure.<!--more--><\/p>\n<p>Eigentlich m\u00fcsste man das Gegenteil erwarten: Windr\u00e4der, Solarzellen und Wasserkraftwerke sind auch f\u00fcr kleinere Unternehmen erschwinglich. Finanzstarke Energieriesen werden nicht mehr gebraucht. Und doch werden sie ihre dominante Marktposition behalten.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst ist unklar, ob die regenerativen Energien nach Fukushima \u00fcberhaupt st\u00e4rker ausgebaut werden als zuvor geplant. Das Ziel, mindestens 35 Prozent bis 2020, bleibt unver\u00e4ndert. Die abgeschalteten AKW sollen also durch Gas- und Kohlekraftwerke ersetzt werden. Daf\u00fcr soll es absurderweise sogar Gelder aus dem Energie- und Klimafonds geben, angeblich aber nicht f\u00fcr Gro\u00dfunternehmen. Trotzdem: Durch den anvisierten Ausbau von Gas und Kohle haben die Energieriesen einen Wettbewerbsvorteil, denn mit dieser klimasch\u00e4dlichen Stromgewinnung haben sie schon viel Erfahrung.<\/p>\n<p><strong>Gewinner: Windparks auf dem Meer<\/strong><\/p>\n<p>Bei den Erneuerbaren f\u00f6rdert die Regierung vor allem Windenergie von der See. Die geplanten Windparks sind so riesig, dass die vier gro\u00dfen Konzerne wieder mal im Vorteil sind. F\u00fcr die Offshore-Anlagen hat Schwarz-Gelb gleich zwei Bonbons: Zum einen gibt es f\u00fcr die ersten zehn Windparks Extradarlehen von der Kreditanstalt f\u00fcr Wiederaufbau (die angeblich vor allem kleineren Stadtwerken helfen sollen). Zum anderen fallen die Verg\u00fctungss\u00e4tze im Erneuerbaren-Energien-Gesetz deutlich vorteilhafter aus als die f\u00fcr Windr\u00e4der an Land. Bis zum Jahr 2018 wird die Pr\u00e4mie bei rekordverd\u00e4chtigen 19 Cent pro Kilowattstunde bleiben, zuvor war vorgesehen, dass ab 2015 weniger Geld flie\u00dft. Windkraft an Land erh\u00e4lt rund 9 Cent und damit nicht einmal die H\u00e4lfte von dem, was es f\u00fcr Offshore-Wind gibt. Zudem wird die Verg\u00fctung j\u00e4hrlich um 1,5 Prozent gesenkt, bislang wurde nur um 1 Prozent reduziert.<\/p>\n<p>Passend zur Fokussierung auf eine zentrale Energieversorgung sorgt die Koalition auch f\u00fcr die entsprechende Begleitmusik: Mit dem Gesetz zur umstrittenen CCS-Technik will man neuen Kohlekraftwerken die n\u00f6tige Akzeptanz verschaffen. Und der Ausbau des Stromnetzes soll deutlich beschleunigt werden, damit der Offshore-Windstrom auch in Deutschlands S\u00fcden gelangt.<\/p>\n<p><strong>Privilegien eingeschr\u00e4nkt<\/strong><\/p>\n<p>Kleinere \u00d6kostromanbieter werden au\u00dferdem durch die \u00c4nderungen beim etwas komplizierten Gr\u00fcnstromprivileg benachteiligt: Unternehmen, die einen gro\u00dfen Teil ihres Stroms aus regenerativen Anlagen gewinnen (also nicht die gro\u00dfen Konzerne), m\u00fcssen die EEG-Umlage (die letztlich den Erneuerbaren Energien zu Gute kommt) nicht zahlen. Nun soll die Befreiung auf 2 Cent pro Kilowattstunde gedeckelt werden. Wenn die Erneuerbaren stark ausgebaut werden und damit auch die Umlage \u00fcber 2 Cent liegt, m\u00fcssen in Zukunft auch die \u00d6kostromanbieter zahlen. Die Kriterien, um in den Genuss des Gr\u00fcnstromprivilegs zu gelangen wurden au\u00dferdem so versch\u00e4rft, dass der Bundesverband Erneuerbare Energie bereits von einer &#8222;De facto&#8220;-Abschaffung spricht.<\/p>\n<p>Die Energiewende b\u00f6te die Chance, die Wirtschaftsstruktur zu \u00e4ndern: Weg von \u00fcberm\u00e4chtigen Konzernen, hin zu einer demokratischen Versorgung. Das w\u00fcrde nicht nur die horrenden Profite der Energieriesen etwas schm\u00e4lern, sondern auch die Energieversorgung besser planbar machen. Sind Riesen-Kraftwerke erst einmal gebaut, sorgen m\u00e4chtige wirtschaftliche Interessen f\u00fcr den m\u00f6glichst langen Weiterbetrieb. Das sieht man bei Kohlekraftwerken, das sieht man bei Atomkraftwerken und das wird man in Zukunft wom\u00f6glich auch bei Windparks oder Solarkraftwerken in der W\u00fcste sehen.<\/p>\n<p><strong>Auch Erneuerbare haben Nachteile<\/strong><\/p>\n<p>Durch Gro\u00dfanlagen wird die Politik blind f\u00fcr die Nachteile bestimmter Energieformen. Und die sind auch bei erneuerbaren Energien bekannt: Windr\u00e4der machen L\u00e4rm, Solarzellen ben\u00f6tigen seltenes Silizium, Wasserkraftwerke versperren Fischen den Weg. Geothermie-Bohrungen k\u00f6nnten f\u00fcr das Trinkwasser gef\u00e4hrlich werden und Biomasse-Anlagen werden mit den Ertr\u00e4gen von Monokultur-Feldern gef\u00fcttert. Weitere Nachteile wird man vielleicht erst in Zukunft sehen.<\/p>\n<p>Bei vielen kleinen Anlagen und einem Mix aus verschiedenen Energietr\u00e4gern kann flexibel auf neue Erkenntnisse \u00fcber Vor- und Nachteile bestimmter Energieformen reagiert werden. Wenn aber nur die Offshore-Windkraft ausgebaut wird und die wirtschaftliche Macht in den H\u00e4nden weniger Konzerne konzentriert wird, werden sich die Umweltpolitiker noch lange mit m\u00e4chtigen Lobbyisten herumschlagen m\u00fcssen.<\/p><\/blockquote>\n<p>aus: <a href=\"http:\/\/www.freitag.de\/politik\/1128-gastkommentar2\"><em>Der Freitag<\/em> &#8211; <em>von Felix Werdermann<\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Fukushima b\u00f6te sich die Chance einer Wende hin zur dezentralen Energieversorgung. Doch stattdessen n\u00fctzen die neuen Gesetze vor allem den gro\u00dfen Energieunternehmen Ein bereits gebautes Atomkraftwerk ist f\u00fcr den Betreiber ein Goldesel, der kaum ersetzt werden kann. Der deutsche Atomausstieg trifft die vier gro\u00dfen Energiekonzerne daher sehr empfindlich. Aber die Regierung hat ein Trostpflaster [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,13],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/404"}],"collection":[{"href":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=404"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/404\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":476,"href":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/404\/revisions\/476"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=404"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=404"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=404"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}