{"id":856,"date":"2012-03-01T00:02:24","date_gmt":"2012-02-29T23:02:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.energiewendeheilbronn.de\/blog\/?p=856"},"modified":"2012-03-01T00:31:54","modified_gmt":"2012-02-29T23:31:54","slug":"greenpeace-studie-schwere-akw-unfalle-in-neckarwestheim-2-wahrscheinlicher-als-bislang-angenommen-nicht-extrem-unwahrscheinlich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/2012\/03\/01\/greenpeace-studie-schwere-akw-unfalle-in-neckarwestheim-2-wahrscheinlicher-als-bislang-angenommen-nicht-extrem-unwahrscheinlich\/","title":{"rendered":"Greenpeace-Studie: Schwere AKW-Unf\u00e4lle in Neckarwestheim 2 wahrscheinlicher als bislang angenommen &#8211; nicht &#8222;extrem unwahrscheinlich&#8220;"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Eine heute von Greenpeace vorgestellte Studie zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr schwere Unf\u00e4lle in einem Atomkraftwerk gr\u00f6\u00dfer ist als bisher angenommen. Atomaufsichten und Wissenschaft gehen bei der Einsch\u00e4tzung des Risikos von mangelhaften Sicherheitsanalysen aus.<!--more--><\/p>\n<p>Die Studie deckt erhebliche M\u00e4ngel in der sogenannten Probabilistischen Risiko-Analyse (PRA) auf. Diese wird unter anderem dazu genutzt, Unfallwahrscheinlichkeiten zu ermitteln. Erstellt wurde die Studie vom Beraterb\u00fcro cervus nuclear consulting unter der Leitung von Dr. Helmut Hirsch.<\/p>\n<p>Was diese Risiko-Analyse mit der Atomkraft in Deutschland zu tun hat, erkl\u00e4rt Heinz Smital, Atomexperte von Greenpeace: &#8222;Atomkraftwerke d\u00fcrfen in Deutschland nur betrieben werden, weil die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr einen schweren Unfall als absolut gering erachtet wird. Grundlage daf\u00fcr ist die PRA. Doch die ist fehlerhaft.&#8220;<\/p>\n<p>So m\u00fcsste der Zeitabstand zwischen Kernschmelzunf\u00e4llen laut PRA in Jahrhunderten zu messen sein. Die Realit\u00e4t sieht deutlich anders aus: In den letzten 30 Jahren haben sich f\u00fcnf Kernschmelzunf\u00e4lle ereignet. Damit ist die PRA f\u00fcr AKW nicht zuverl\u00e4ssig. Greenpeace fordert deshalb, die Zahlen dieser Methode im Umgang mit Nuklearanlagen nicht mehr zu verwenden.<\/p>\n<p><strong>Entscheidende Risikofaktoren f\u00fcr Atomunf\u00e4lle werden nicht ber\u00fccksichtigt<\/strong><\/p>\n<p>Die Greenpeace-Studie zeigt anhand von f\u00fcnf Beispielen aus westlichen Atomreaktoren &#8211; unabh\u00e4ngig von der Katastrophe in Fukushima &#8211; wie das atomare Risiko in der PRA systematisch untersch\u00e4tzt wird. Mehrfachausf\u00e4lle von Sicherheitssystemen und Altersvorg\u00e4nge in einem Atomkraftwerk werden beispielsweise nur unzureichend ber\u00fccksichtigt. Terror- und Sabotagehandlungen k\u00f6nnen mathematisch nicht in der PRA erfasst werden &#8211; obwohl die Gefahr real ist.<\/p>\n<p>Ebenso wird komplexes menschliches Fehlverhalten weitgehend ausgeblendet. Schaut man aber den schweren Reaktorunfall in Fukushima an, so zeigt sich, dass gerade das Versagen von Betreiber und Aufsichtsbeh\u00f6rde entscheidend war. Ein \u00e4hnliches Bild ergibt sich in Tschernobyl: Auch dort waren menschliche Fehler mitverantwortlich f\u00fcr das Ungl\u00fcck.<\/p>\n<p>&#8222;Die PRA kann bei einem einzelnen AKW die Sicherheitsm\u00e4ngel aufdecken&#8220;, sagt Heinz Smital. &#8222;Die Gefahr, die der Gesellschaft durch Atomkraft droht, ist aber weitaus gr\u00f6\u00dfer als die Risiken, die die PRA ermittelt.&#8220;<\/p>\n<p>Greenpeace fordert daher einen schnelleren Ausstieg aus der Atomkraft bis 2015 in Deutschland. Auch im Ausland muss die Bundesregierung auf ein Ende der Atomkraft dringen.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.greenpeace.de\/themen\/atomkraft\/nachrichten\/artikel\/greenpeace_studie_schwere_akw_unfaelle_wahrscheinlicher_als_angenommen-1\/\" target=\"_blank\">Greenpeace.de<\/a>, die gesamte Studie kann <a href=\"http:\/\/www.greenpeace.de\/fileadmin\/gpd\/user_upload\/themen\/atomkraft\/Studie_Wahrscheinlichkeit_Reaktorunfaelle.pdf\" target=\"_blank\">hier bei Greenpeace heruntergeladen<\/a> werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Im Fazit der Studie werden die Untersuchungsergebnisse u.A. im Hinblick auf <strong>Neckarwestheim 2<\/strong> beschrieben:<\/p>\n<blockquote><p>[<a href=\"http:\/\/www.greenpeace.de\/fileadmin\/gpd\/user_upload\/themen\/atomkraft\/Studie_Wahrscheinlichkeit_Reaktorunfaelle.pdf\" target=\"_blank\">ab Seite 55<\/a>] Die zentrale Fragestellung der vorliegenden Studie ist, ob Reaktorunf\u00e4lle mit sehr hohen und fr\u00fchzeitigen Freisetzungen auf der Grundlage von Ergebnissen probabilistischer Risikostudien (PRA) praktisch ausgeschlossen werden k\u00f6nnen. \u201ePraktisch ausgeschlossen\u201c wird dabei wie in Abschnitt 1 dargelegt verstanden \u2013 also im Sinne von entweder physikalisch unm\u00f6glich, oder mit einem hohen Grad von Vertrauen als extrem unwahrscheinlich anzusehen.<\/p>\n<p>Zweifellos sind schwere Unf\u00e4lle nicht physikalisch unm\u00f6glich. Dies zeigen schon die Darstellungen m\u00f6glicher Unfallabl\u00e4ufe in Abschnitt 4; dazu kommen noch Unf\u00e4lle aufgrund von Einwirkungen von au\u00dfen, z. B. durch wetterbedingte Faktoren (vgl. Abschnitt 3.5), auslegungs\u00fcberschreitende Erdbeben oder Terrorangriffe.<\/p>\n<p>PRA zeigen, dass die zu erwartende H\u00e4ufigkeit schwerer Unf\u00e4lle sehr gering ist \u2013 gemessen an der allt\u00e4glichen Erfahrung und auch an anderen Bereichen der Technik. <em>Wie in Abschnitt 1 erw\u00e4hnt, liegt die H\u00e4ufigkeit eines Unfalles mit sehr hohen und fr\u00fchzeitigen Freisetzungen (Erwartungswert) f\u00fcr eines der neuesten deutschen Kernkraftwerke (GKN-2) bei etwa 2,5&#215;10-7\/a. Ob dieser Wert als \u201eextrem unwahrscheinlich\u201c interpretiert werden kann, ist fraglich. In diesem Zusammenhang ist es von Interesse, dass eine Gruppe von gro\u00dfen europ\u00e4ischen Elektrizit\u00e4tsversorgungsunternehmen (EVUs) f\u00fcr neue Reaktoren als probabilistischen Zielwert f\u00fcr Unf\u00e4lle mit fr\u00fchzeitigen oder sehr gro\u00dfen Freisetzungen den Wert von 1&#215;10-7\/a aufgestellt hat [EUR 2001].<\/em><\/p>\n<p>Wichtiger ist die Frage, inwieweit das Kriterium eines hohen Grades an Vertrauen zutrifft. Die in PRA ermittelte H\u00e4ufigkeit eines schweren Unfalles ist mit Unsicherheiten behaftet. Nur ein Teil dieser Unsicherheiten kann zahlenm\u00e4\u00dfig ausgedr\u00fcckt werden (siehe Abschnitt 2). Diese teilweise Quantifizierung kann z.B. durch Angabe von Fraktilen erfolgen. Das 95%-Fraktil gibt jenen Wert an, unter dem der (unbekannte) tats\u00e4chliche Wert mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 % liegt. Dieser Wert ist also konservativ und verdient h\u00f6heres Vertrauen, wenn es darum geht, auf der sicheren Seite zu sein, als der Erwartungswert.<em> Das 95%-Fraktil f\u00fcr die H\u00e4ufigkeit eines Unfalles mit sehr hohen und fr\u00fchen Freisetzungen f\u00fcr GKN-2 liegt etwa um den Faktor 4 h\u00f6her als der Erwartungswert, bei 1&#215;10-6\/a \u2013 somit eindeutig jenseits des Bereiches \u201eextrem unwahrscheinlich\u201c.<\/em> Bei \u00e4lteren deutschen Kernkraftwerken sind noch h\u00f6here Werte zu erwarten.<\/p>\n<p>Hinzu kommen die Unvollst\u00e4ndigkeiten und Unsicherheiten von PRA-Ergebnissen, die nicht zahlenm\u00e4\u00dfig fassbar sind. Sie bewirken, dass auch ein berechnetes 95%-Fraktil letztlich keinem hohen Grad an Vertrauen entsprechen kann.<\/p>\n<p>Einige der wichtigsten Faktoren, die in einer PRA nicht bzw. nicht ausreichend ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnen, wurden in den Fallstudien der vorliegenden Studie herausgearbeitet. Dabei handelt es sich um:<\/p>\n<p>Unerwartete Belastungen durch interne Vorg\u00e4nge<\/p>\n<ul>\n<li>Schlechte SicherheitskulturGemeinsam verursachte Ausf\u00e4lle<\/li>\n<li>Probleme an der Schnittstelle von Anlagen- und Bautechnik<\/li>\n<li>Unvorhergesehene Einwirkungen von au\u00dfen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Alle Fallstudien beziehen sich auf Ereignisse, die sich in den letzten Jahren abgespielt haben (2001 \u2013 2009) \u2013 also lange nachdem die Lehren aus den Unf\u00e4llen von Three Mile Island (1979) und Tschernobyl (1986) gezogen und umgesetzt wurden. Zwei der Ereignisse sind in deutschen Kernkraftwerken eingetreten, je eines in einem Kernkraftwerk in Frankreich, Schweden und den USA. Es ist somit keinesfalls zul\u00e4ssig, unter Berufung auf die Ergebnisse probabilistischer Risiko-Studien Unf\u00e4lle in Kernkraftwerken, die mit sehr hohen und fr\u00fchzeitigen Freisetzungen verbunden sind, praktisch auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnte mit den Ergebnissen von Risikostudien f\u00fcr deutsche Kernkraftwerke, selbst wenn von den Unvollst\u00e4ndigkeiten und dem nicht zahlenm\u00e4\u00dfig erfassbaren Teil der Unsicherheiten abgesehen w\u00fcrde, der praktische Ausschluss derartiger Unf\u00e4lle nicht begr\u00fcndet werden. Die Durchf\u00fchrung von Risikostudien f\u00fcr Kernkraftwerke ist grunds\u00e4tzlich sinnvoll. Derartige Analysen k\u00f6nnen u.a. zu einem besseren Verst\u00e4ndnis des Anlagenkonzeptes und der Identifizierung von Schwachstellen beitragen und bei der Bewertung von Nachr\u00fcstungen sowie bei Vergleichen zwischen Anlagen hilfreich sein. Das zahlenm\u00e4\u00dfige Gesamtergebnis einer PRA \u2013 die berechnete zu erwartende H\u00e4ufigkeit von Kernschmelzunf\u00e4llen, sowie von Unf\u00e4llen mit sehr hohen und fr\u00fchzeitigen Freisetzungen \u2013 darf jedoch lediglich als grober Risiko-Indikator verstanden werden, und nicht als belastbare Angabe f\u00fcr die tats\u00e4chliche Wahrscheinlichkeit derartiger Unf\u00e4lle. Diese tats\u00e4chliche Wahrscheinlichkeit ist prinzipiell nicht ermittelbar. Im Rahmen eines vorsichtigen, konservativen Vorgehens muss angenommen werden, dass sie tendenziell deutlich \u00fcber den von PRA als Ergebnissen gelieferten Zahlenwerten liegt.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine heute von Greenpeace vorgestellte Studie zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr schwere Unf\u00e4lle in einem Atomkraftwerk gr\u00f6\u00dfer ist als bisher angenommen. 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