{"id":982,"date":"2012-04-10T11:57:06","date_gmt":"2012-04-10T09:57:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.energiewendeheilbronn.de\/blog\/?p=982"},"modified":"2012-04-10T11:57:50","modified_gmt":"2012-04-10T09:57:50","slug":"kommunale-energieversorgung-bericht-vom-vhs-forum-am-3-april-2012","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/energiewendeheilbronn.de\/blog\/2012\/04\/10\/kommunale-energieversorgung-bericht-vom-vhs-forum-am-3-april-2012\/","title":{"rendered":"Kommunale Energieversorgung &#8211; Bericht vom VHS-Forum am 3. April 2012"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignright\" src=\"http:\/\/www.energiewendeheilbronn.de\/phpwcms\/content\/images\/0b2aad1ed0392245f41a6541e616c32a.png\" alt=\"\" width=\"214\" height=\"102\" \/>Angesichts von Preisspiralen der \u00d6lmultis an den Tankstellen erlebten die Teilnehmer am Seminar \u00fcber kommunale Energieversorgung in der VHS eine wohltuende Ermutigung: eine preisstabile Energieversorgung in B\u00fcrgerhand ist m\u00f6glich \u2013 und der sicherste Weg in die Energie-Zukunft.<\/p>\n<p>Eine beachtliche Zuh\u00f6rerzahl folgte den Vortr\u00e4gen von drei \u00fcberzeugenden Experten Ulrich Hommel, Rechtsanwalt Stuttgart, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Wolf Meyer, STW Pforzheim und Rainer K\u00fcbler, GF STW Bietigheim. Ulrich Hommel zeigte auf, nach welchen Regeln und mit wel-chen Varianten Netzeigentum, Netzbetrieb und Stromerzeugung rechtlich und wirtschaftlich zusammenspielen. Der Versorgung durch ein nicht-st\u00e4dtisches Unternehmen stellte er die Versorgungsmodelle durch ein ortsgebun\u00acdenes, demokratisch kontrolliertes, leistungsstarkes Stadtwerk gegten\u00fcber.<\/p>\n<p>Die interessant dargebotenen, trotz Komplexit\u00e4t anschaulichen Vortr\u00e4ge haben die H\u00f6rerin-nen und H\u00f6rer, darunter einige Gemeinder\u00e4te, zu einer lebhaften Diskussion angeregt und davon \u00fcberzeugt, dass in Heilbronn die Zeit gekommen ist, eine stadteigene Versorgung in den Bereichen Strom, Gas, Wasser, Fernw\u00e4rme, Abwasser und Bioabfall-Verwertung \u201aaus einer Hand\u2019 anzustreben.<!--more--><\/p>\n<p>Die von einem solide aufgebauten Stadtwerk geleistete Versorgung der B\u00fcrger spart Kosten, weil auf breiter Front Synergie-Effekte wirksam werden. Wie am Beispiel der Stadtwerke Bie-tigheim und Pforzheim sichtbar wurde, fallen sch\u00e4dliche Konkurrenzen zwischen getrennt bewirtschafteten Wasser- Gas- und Stromnetzen weg. Durch Netzeigentum und Netzbetrieb werde sichergestellt, dass die Netze in einem technisch jungen und modernisierten Zustand erhalten werden.<\/p>\n<p>Ferner ergebe sich in einem Stadtwerk die M\u00f6glichkeit der Querfinanzierung: Die auf ertrag-reicheren Feldern (z.B. Netzbetrieb oder Stromvertrieb) erzielten Gewinne k\u00f6nnen die Defizite in kostenintensiven, weniger ertragreichen Dienstleistungen ausgleichen, z.B. im \u00f6ffentlichen Busverkehr, in Schwimmb\u00e4dern und Sporteinrichtungen.<\/p>\n<p>Der wirtschaftliche Erfolg und die hohe Akzeptanz der Stadtwerke in der Bev\u00f6lkderung von Bietigheim und Pforzheim gr\u00fcnden auf gutem Kundenkontakt, schnellem Service sowie auf moderaten Preisen. Ihre Erfolgsbilanz habe nicht nur eine \u00f6konomische, sondern auch eine \u00f6kologische Seite: der von der Bundesregierung f\u00fcr das Jahr 2020 angestrebte Grad der Senkung der CO2 \u2013Werte sei schon heute erreicht.<\/p>\n<p>Der aktuelle Anlass, weshalb sich Heilbronner B\u00fcrger mit der kommunalen Energieversor-gung befassen, ist das Auslaufen der Netznutzungsvertr\u00e4ge f\u00fcr Strom (ZEAG) und Gas (HVG). Diese Wegenutzungsvertr\u00e4ge werden auf 20 Jahre geschlossen. Alternativ zur Ver-gabe an ein (mehr oder weniger) externes Unternehmen habe die Stadt die M\u00f6glichkeit, sel-ber durch ihr Stadtwerk und durch zugekaufte Dienstleistungen die Netze zu bewirtschaften. Der R\u00fcckerwerb der Netze orientiere sich an ihrem Ertragswert. Ein neuer Vertragsabschluss f\u00fcr das Heilbronner Netz ist in Vorbereitung. Da es um hohe Werte und eine umfangreiche kommunale Wertsch\u00f6pfung gehe, h\u00e4tten die B\u00fcrger ein Anrecht darauf, informiert zu werden und ihre Interessen zu vertreten.<\/p>\n<p>In fairer Ausgewogenheit stellte Ulrich Hommel Chancen und Risiken dar: ein wirtschaftlich erfolgreicher Netzbetrieb sei f\u00fcr eine Stadt von der Gr\u00f6\u00dfe Heilbronns allemal in Betracht zu ziehen. Der R\u00fcckkauf des Stromnetzes k\u00f6nne in der Regel durch die Ertr\u00e4ge solide gegenfi-nanziert werden. Bei dem Bewerbungsverfahren sollten nur Angebote mit echten Vorteilen f\u00fcr die B\u00fcrger in Betracht gezogen werden.<\/p>\n<p>Die St\u00e4dte Pforzheim und Bietigheim-Bissingen f\u00fchren den Netzbetrieb schon seit l\u00e4ngerer Zeit in eigener Regie \u2013 in Bietigheim in vollem Eigentum, in Pfrozheim mit einer Beteiligung der Th\u00fcga von 35%. Im Auf- und Ausbau der Stadtwerke lie\u00dfen sich technische Probleme z.B. bei der Erneuerung der Stra\u00dfenbeleuchtung, der Bodenleitungen oder Umspannstellen schnell und kosteng\u00fcnstig l\u00f6sen, wussten beide Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer zu berichten. Ausdruck ihrer Zukuftsorientierung und progressiven Wirtschaftsf\u00f6rderung ist der ehrgeizige Plan, fl\u00e4-chendeckend ein Glasfasernetz f\u00fcr die elektronische Kommunikation zu installieren, das gleichzeitig zur Feinsteuerung der Energie-\u00dcbergabestellen dient. Die Stadtwerke Bietigheim und Pforzheim gewinnen schon jetzt 20 % der Energie aus regenerativen Quellen: Sonne, Wasserkraft und Biogas. Die energieeffiziente Kraftw\u00e4rmekopplung von Stromerzeugung und W\u00e4rmegewinnung wird ausgiebig genutzt und erweitert; die eigenen Kleinkraftwerke haben schon nach kurzer Zeit die Baukosten eingespielt. In Bietigheim-Bissingen sind viele \u00f6f-fentliche Geb\u00e4ude an die Nahw\u00e4rmeversorgung des Biomasseheizkraftwerks angeschlossen. Solarzellen werden auf geeigneten D\u00e4chen von Klinik, \u00c4mtern und Schulen betrieben, Beide Stadtwerke versorgen die B\u00fcrger mit eigenem und zugekauftem Strom und Gas und haben ein entsprechendes Risikomanagement zur Sicherung der wirtschaftlichen Kontinuit\u00e4t. Sie haben wegen ihrer g\u00fcnstigen Preise viele Kunden von au\u00dferhalb hinzugewonnen, was die Gewinne erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Durch geschickten Einsatz von Abschreibungen und sonstigen Verlustvortr\u00e4gen aus der Netzverwaltung sparen sie erheblich Steuern, die zum Ausgleich f\u00fcr die defizit\u00e4ren Betriebe (\u00d6PNV und B\u00e4der) eingesetzt werden. Und dennoch ist alles nachhaltig und zukunftssicher gestaltet. Hoch komplizierte, von kleineren St\u00e4dten nicht allein zu leistende, technische Auf-gaben werden nach au\u00dfen an Spezialisten vergeben. Das macht von Abh\u00e4ngigkeiten frei. Am Entscheidungsprozess haben die B\u00fcrger aktiv teilgenommen, die Gemeinder\u00e4te aller Parteien tragen die Arbeit der Stadtwerke engagiert mit.<\/p>\n<p>Klaus von Waldeyer, Ulrich Koring<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angesichts von Preisspiralen der \u00d6lmultis an den Tankstellen erlebten die Teilnehmer am Seminar \u00fcber kommunale Energieversorgung in der VHS eine wohltuende Ermutigung: eine preisstabile Energieversorgung in B\u00fcrgerhand ist m\u00f6glich \u2013 und der sicherste Weg in die Energie-Zukunft. 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