Der mangelhafte Beton im Castorlager – Antwort des Umweltministeriums

erstellt am: 06.03.2012 • von: Franz • Kategorie(n): Anti-Atom, Atomm├╝ll & Castor, GKN Neckar­westheim

Nach jahrelanger Intransparenz bez├╝glich des mangelhaften Betons im Neckarwestheimer Castor-Tunnellagers liefert eine Antwort des baden-w├╝rttembergischen Umweltministeriums auf unsere Nachfrage endlich einige Informationen. Leider ist das Materialgutachten, welches die M├Ąngel des Betons belegte, noch immer unter Verschluss.

Im Folgenden der Antworttext des Ministeriums, vom 21.2.2012:

„Sehr geehrter Herr, in Ihrer E-Mail vom 16. Januar 2012 an Herrn Minister Untersteller und die Abteilung Kernenergie├╝berwachung, Strahlenschutz des Minsteriums f├╝r Umwelt, Klima und Energiewirtschaft (UM) sprechen Sie das Thema Betonqualit├Ąt im Zwischenlager am Standort Neckarwestheim an. Herr Minister Untersteller hat mich gebeten, Ihnen zu antworten.

Bei staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen im Jahr 2008 wurden gutachterliche Untersuchungen zur Betonqualit├Ąt des Zwischenlagers durchgef├╝hrt. Dabei wurde festgestellt, dass beim Bau des Zwischenlagers f├╝r einige Bauteile aufgrund eines Versehens eine Betonsorte mit geringf├╝gig zu niedrigem Zementgehalt (250 bzw. 260 kg/m┬│ statt 270 kg/m┬│) verwendet worden war. Hiervon waren u. a. die Decken und W├Ąnde des Fluchtausstiegsgeb├Ąudes und der oberhalb der Gel├Ąndekante liegende Teil des Abluftbauwerks betroffen. Nach Bewertung des Gutachters war die Standsicherheit dieser Bauteile nicht gef├Ąhrdet, da die Festigkeit des Betons erbracht bzw. nachgewiesen worden sei. Jedoch lie├čen sich nachteilige Auswirkungen auf den Korrosionsschutz der Bewehrung f├╝r au├čen liegende Bauteile langfristig nicht ausschlie├čen. Kurz- bis mittelfristig best├╝nden keine Korrosionsgefahr und kein Handlungsbedarf.

Das UM wurde seinerzeit von der Staatsanwaltschaft ├╝ber den Sachverhalt informiert und f├╝hrte als atomrechtliche Aufsichtsbeh├Ârde unverz├╝glich erg├Ąnzende eigene ├ťberpr├╝fungen und Bewertungen durch. Hierbei zog es das Wirtschaftsministerium (WM, seinerzeit oberste Landesbaubeh├Ârde) f├╝r die bautechnische Bewertung hinzu.

Nach Feststellung des UM waren keine Bestandteile des Zwischenlagers betroffen, die zur unmittelbaren Sicherstellung der sicherheitstechnischen und radiologischen Schutzziele dienen. Die Einstufung der betroffenen Bauteile st├╝tzt sich dabei auf die sicherheitstechnische Klassifizierung, die Bestandteil der vom Bundesamt f├╝r Strahlenschutz (BfS) erteilten Genehmigung ist (Nr. 77 der Anlage 1 der Genehmigung vom 22.9.2003, letztere ist z. B. auf den Internetseiten des BfS unter „http://www.bfs.de/de/transport/gv/dezentrale_zl/standort/gkn_szl_ge.pdf“ abrufbar).

Sie weisen in Ihrem Schreiben zu Recht darauf hin, dass das Abluftbauwerk eine Funktion bei der K├╝hlung der Brennelementbeh├Ąlter hat. Im Normalbetrieb wird die von den Brennelementen erzeugte Zerfallsw├Ąrme aus dem Zwischenlager durch den nat├╝rlichen Auftrieb der sich an den Beh├Ąlteroberfl├Ąchen erw├Ąrmenden Luft abgef├╝hrt.
Die Luft str├Âmt durch die Tunnelr├Âhren ├╝ber das Abluftbauwerk ins Freie und wird durch Au├čenluft, die durch anderweitig gelegene Lufteintritts├Âffnungen nachstr├Âmt, ersetzt. Das einzige au├čen liegende und damit von der Thematik betroffene Stahlbetonbauteil des Abluftbauwerks sind die obersten, aus der Gel├Ąndeoberfl├Ąche herausragenden Dezimeter des Kaminschachts, welcher in den Kaminaufbau aus Stahlblech einm├╝ndet.

Bei der Auslegung des Zwischenlagers wurde f├╝r bestimmte St├Ârf├Ąlle ein Einsturz des Abluftkamins und damit konservativ ein luftundurchl├Ąssiger Verschluss des Abluftbauwerks unterstellt und bewertet. Die W├Ąrmeabfuhr erfolgt dann f├╝r die erforderliche Zeit der Aufr├Ąumarbeiten einseitig ├╝ber die anderweitig gelegenen L├╝ftungs├Âffnungen.
Die hieraus resultierende Erh├Âhung der Lagertemperaturen ├╝berschreitet weder zul├Ąssige Temperaturen der Beh├Ąlter noch zul├Ąssige Betontemperaturen des Tunnelbauwerks. Der Verlust der Funktion des Abluftbauwerks f├╝hrt somit nicht unmittelbar zu einer Gef├Ąhrdung der Schutzziele.

Aufgrund der Geringf├╝gigkeit der bautechnischen Abweichung, die sich zudem erst langfristig h├Ątte auswirken k├Ânnen, und der Feststellung, dass es sich bei den betroffenen Bauteilen nicht um Bauteile zur unmittelbaren Sicherstellung der sicherheitstechnischen und radiologischen Schutzziele handelt, war eine sofortige Stilllegung des Zwischenlagers durch das UM nicht erforderlich. Der Betreiber wurde jedoch durch das UM veranlasst, Abhilfema├čnahmen zu ergreifen. In der Folge wurden die betroffenen Bauteile zur Erh├Âhung des Korrosionsschutzes von der EnBW mit einer sch├╝tzenden Beschichtung versehen. Diese Arbeiten wurden hinsichtlich ihrer Wirksamkeit als auch ihrer Durchf├╝hrung im Auftrag des WM durch einen Sachverst├Ąndigen bewertet. Der m├Ąngelfreie Abschluss der Arbeiten wurde vom Sachverst├Ąndigen im Jahr 2010 best├Ątigt.Dar├╝ber hinaus wurden Sichtpr├╝fungen an den Beschichtungen des Abluft- und Fluchtbauwerks von der EnBW in eine Anweisung f├╝r wiederkehrende Pr├╝fungen aufgenommen, um eine m├Âgliche Alterung der neu aufgetragenen Beschichtung rechtzeitig erkennen zu k├Ânnen.

Mit diesen Abhilfema├čnahmen ist die Standfestigkeit der betroffenen Bauteile aus Sicht des UM auch langfristig ausreichend sichergestellt. Weitere Ma├čnahmen sind nicht erforderlich.

Der zust├Ąndigen Genehmigungsbeh├Ârde, dem Bundesamt f├╝r Strahlenschutz, wird eine Kopie dieses Schreibens ├╝bermittelt.
Mit freundlichen Gr├╝├čen“


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