Bericht und Video aus der japanischen Antiatom-Bewegung (Kazuhiko Kobayashi)

erstellt am: 14.04.2013 • von: Franz • Kategorie(n): Anti-Atom, Fukushima

Fukushima Block 3 am 15.3.11 nach der ExplosionHerr Kazuhiko Kobayashi schreibt aus Japan:

„Liebe Freundinnen und Freunde,

nochmals recht herzlichen Dank f├╝r Eure gro├čartigen Solidarit├Ątserkl├Ąrungen f├╝r „11.3. Fukushima“!! Es waren insgesamt ca. 450 Emails, die dann mit den japanischen ├ťbersetzungen weiter an den Veranstalter „11.3. in Fukushima“ geschickt wurden. Sie wurden von vielen Menschen in Fukushima mit Begeisterung gelesen. Das war der beste Beweis daf├╝r, wie grenzenlos und fest entschlossen unser Kampf gegen die Atomkraftwerke, Atomm├╝ll und auch Kernwaffen ist. Trotz vieler Hindernisse, die von der Regierungsseite in den Weg gelegt wurden, fand der Gedenktag „Fukushima 11.3.“ in vielen Regionen in Japan statt, der die Menschen dazu aufrief, die unz├Ąhligen, leidenden Menschen zu unterst├╝tzen und alle nicht verantwortbaren und h├Âchst menschenverachtenden Atomkraftwerke und Kernwaffen aus der Welt zu schaffen.

Die Veranstaltung des Gedenktages „11.3. in Fukushima“ ist unter folgender Youtube-Adresse mit deutscher ├ťbersetzung zu sehen:
http://youtu.be/PpVp4hABecQ

Die Kampfstimmung gegen die Atompolitik des sogenannten Dreierb├╝ndnisses von dem Ministerium f├╝r Wirtschaft und Industrie, der Regierungspartei und Tepco war sehr gro├č, zumal es mit allen denkbaren Tricks und polizeilichen Drohma├čnahmen und Unterdr├╝ckungen die b├╝rgerlichen Anti-Atom-Bewegungen verhindern will. Aber auf der anderen Seite bekommt man deutlich zu sp├╝ren, da├č insgesamt die b├╝rgerlichen Anti-Atom-Demonstrationen seit kurzer Zeit in Zahlen und Gr├Â├čen drastisch zur├╝ckgegangen sind. Im Sommer des letzten Jahres war von 200,000 Teilnehmern an den sogenannten Freitagsdemonstrationen die Rede, heute vielleicht von 300, 400, 500 Teilnehmern geredet. Es sind auch etliche Verhaftungen von b├╝rgerlichen Aktivisten gemeldet. Sofern zeigt die Unterdr├╝ckungs-bzw. Einsch├╝chterungspolitik der stark rechts ger├╝ckten japanischen Regierungspartei schon ihre deutliche Wirkung.

Ich bin fest ├╝berzeugt, egal, wie die weltweiten Pro-Atom-Regierungen und die Atomlobbyisten mit allen Mitteln ihre Politik weiterf├╝hren wollen, werden sie letztendlich wegen ihrer Verantwortungslosigkeit und ihres eigenen menschenverachtenden Unrechts scheitern. Nur die Frage ist:

„Wieviel m├╝ssen unsere sowie unsere zuk├╝nftigen Leben und die unersetzbare Erde bis dahin noch leiden?

Die Lage Japans, in der wir uns im Augenblick befinden, ist leider gar nicht erfreulich. Die radioaktiven Verseuchungen in Luft, Boden, Wasser gehen weiter, deren gesundheit- und umweltsch├Ądliche Folgen kommen mit der Zeit unweigerlich immer deutlicher und nicht mehr wiedergutzumachen. Dazu droht die extrem gro├če Gefahr, da├č das durchs Erdbeben h├Âchst marode gewordene Geb├Ąude des 4. Raktors, in dem immer noch viele hochgiftige Brennelemente im Abklingbecken gelagert sind, jederzeit, wenn ein gro├čes Erdbeben wieder kommt, in Explosion gehen kann. Wenn es soweit kommt, so k├Ânnte unter Umst├Ąnden die radioaktive Verseuchung von der Menge der gelagerten Brennelemente her noch viel gr├Â├čer als der letzte Super-GAU in Fukushima sein und das gr├Â├čte Teil Japans unbewohnbar machen, sowie die ganze n├Ârdliche Hemisph├Ąre einschlie├člich Europa stark kontaminieren. Sofern wird die Lage in Fukushima sogar immer bedrohlicher und ist ├╝berhaupt kein Grund zur Beruhigung.

Nach wie vor sind die japanischen Medien unter dem totalen Einflu├č und Druck des o.a. Dreierb├╝ndnisses und berichten nur ged├Ąmpft, sogar oft beinah nebens├Ąchlich, keinesfalls in gro├čen Zeilen ├╝ber die tats├Ąchlichen Gefahren. Aber zu allen Sachen spielt die Volksmentalit├Ąt von den vielen Japanern eine entscheidende Rolle, dem M├Ąchtigeren, Kommandierenden bedingungslos oder kritiklos zu folgen und einfach ihr Wort zu glauben. Es ist eine schlichte Tatsache, da├č der ├╝berwiegende Teil der japanischen Bev├Âlkerung, teils von allt├Ąglichen Verpflichtungen gedr├Ąngt und teils von nicht sichtbarer Radioaktivit├Ąt get├Ąuscht, diese gef├Ąhrliche Lage Japans nicht richtig einsch├Ątzt bzw. sie einfach ignoriert. Fukushima ist nicht nur die Katastrophe Japans, sondern der ganzen Welt. Fukushima gef├Ąhrdet nicht nur die japansichen B├╝rger, sondern die weltweiten Zivilgesellschaften. Aber auch Europa tr├Ągt selbst ├╝berall potentielle Gefahr von atomaren Desastern. Sie zeigt sich alleine schon dadurch, dass z.B. ein Super-GAU der franz├Âsischen Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague mit ihrem gigantischen radioaktiven Verseuchungspotential mehr als H├Ąlfte der ganzen Erdfl├Ąchen unbewohnbar machen kann.

Daher m├╝ssen wir ├╝ber die Staatsgrenzen hinaus Hand an Hand gemeinsam f├╝r die atomwaffen-, atomkraftwerken- und atomm├╝llfreie Welt k├Ąmpfen und den noch nicht atomkritischen B├╝rgern die wahre Gefahr dringend bewusst machen und zur Solidarit├Ąt aufrufen.

Nun finden vom 19. bis zum 29. April 2013 in folgenden St├Ądten meine Vortr├Ąge statt:
19. April, Dortmund, 15.00-19.00 Uhr, Beitrag 17:00
20. April, M├╝nster, 19:30-21:30
21. April, Bad Sassendorf, 19:00-21:00
22. April, Soest, 10:00-11:30
23. April, Minden, 09:00-12:30
24. April, K├Âln, 16:00-17:30 Uhr Pause 18:30-20:00
25. April, Berlin, 19.30 – ?
26. April, Braunschweig, 19:00- 21:00
27. April, Dortmund, 17:00 – 19:00
28. April, Gelsenkirchen, 11:00 – ?
29. April, Hagen, 19:15
Gesamtorganisator: Internationales Bildungs- und Begegnungswerk (IBB) www.ibb-d.de
Ich w├╝rde mich sehr freuen, wenn ich Euch bei einem von meinen Vortr├Ągen sehen kann.

Viele herzliche Gr├╝├če aus Tokyo
Kazuhiko Kobayashi
E-Mail: soundio-2 [at] k7.dion.ne.jp“


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