Vom AKW auf die Deponie – Schwach radioaktiver Müll nach Schwieberdingen, Ensingen, Heilbronn, Billigheim, Buchen, Sinsheim – Veranstaltung am 23.2.2016 in Schwieberdingen

erstellt am: 19.02.2016 • von: Franz • Kategorie(n): AKW-Stillegung und Abriss, Atommüll & Castor, GKN Neckar­westheim

Plakat der Veranstaltung in Schwieberdingen am 23.2.2016 zum Thema radioaktiver Müll auf Deponien im LandWird ein AKW stillgelegt und verschrottet, enthält seine Substanz noch sehr viel Radioaktivität.
Dann wird getrennt, gemischt, geschrubbt und abgeschliffen, und dabei die Radioaktivität umverteilt.

Abschalten oder Neutralisieren lässt sich die Radioaktivität ja nicht, aber in Müllarten unterschiedlicher Strahlungsstärke aufteilen.

Dass nebenbei eine Menge Radioaktivität in das Abwasser und in die Luft abgegeben wird, spart Kosten. Kostet aber gesunde Zukunft.

Wenn dann das AKW in Metallschrott, Betonschutt, Bauruinen und sonstigen Müll aufgeteilt wurde, dann soll dieser Müll verschiedene Wege gehen:

  • der größte Teil sind die Bauruinen, die nach Ende der Strahlenschutzüberwachung beliebig abgerissen und wiederverwertet werden dürfen, vom Straßen- bis zum Hausbau. Teiel davon sind vermutlich frei von Strahlung, aber andere strahlen noch. Das schert aber weder Behörden noch den Betreiber, denn jede weitere Gesundheitsfürsorge ist denen zu teuer (so genanntes „de-minimis-Prinzip“).
  • der zweitgrößte Teil sind Bauschutt, Metalle und andere Materialien, die schon während der ersten Phasen des AKW-Abrisses, also während des so genannten atomrechtlichen Abbaues, „freigegeben“ oder „herausgegeben“ werden. „Freigabe“ heißt, man befreit das noch mehr oder weniger strahlende Material von der weiteren Ãœberwachung. „Herausgabe“ heißt, man fängt mit der Ãœberwachung erst gar nicht an. Auch für diese Teile der AKW-Substanz gilt, dass die Behörden die Strahlung nach dem de-minimis-Prinzip für egal halten, weil nur sehr wenige Menschen davon Schaden erleiden würden.
  • Der drittgrößte Teil ist AKW-Material, dessen Strahlung die Behörden für fast egal ansehen. Das heißt, auch hier wenden Sie dss de-minimis-Prinzip an, verlangen aber wenigstens eine Deponierung. Denn dieses Material ist eindeutig noch radioaktiv, höher als es die „Grenzwerte“ für die beiden oben genannten Portionen erlauben.
  • Der letzte Teil ist der einzige Anteil, der von den Behörden als gefährlich angesehen wird, weil man trotz der ganzen Manipulationen beim AKW-Abriss die Strahlung pro Gramm nicht unter die „Freigabe-Grenzwerte“ gebracht hat. Dieses Material soll als so genannter schwach- und mittel-radioaktiver Abfall unbefristet in einem unterirdischen Lager untergebracht werden (das es aber übrigens noch nicht gibt, und das bisher dafür vorgesehene Eisenerz-Bergwerk Schacht Konrad taugt nicht).
  • Nicht enthalten in den vier genannte Portionen sind einerseits die hoch-radioaktiven Abfälle (vor allem die Brennelemente) und andererseits z.B. in Neckarwestheim große Teile des AKWs, die nie richtig auf Strahlung überwacht wurden, wie z.B. die Kühltürme und große Verwaltungsgebäude.

Welche Mengen muss man sich da vorstellen?

Plakat mit dem Text Freimessen und Herausgabe sind Verbrechen an der ZukunftIm AKW Obrigheim, dessen Verschrottung schon überstürzt und intransparent durchgezogen wird, rechnet man mit 275.000 Tonnen. Teile davon sind schon in Sinsheim auf die Deponie „Saugrund“ gekommen, weitere sollen nach Buchen auf die Deponie „Sansenhecken“ gebracht werden.
Im kleineren der beiden Neckarwestheimer AKWs, dem Block GKN I, geht es um ungefähr 330.000 Tonnen AKW. Davon sollen laut Planung von EnBW und Behörden die ersten beiden oben beschriebenen Portionen bis zu 97,5 % ausmachen. Also 97,5 % des gesamten AKWs sollen „freigegeben“ oder „herausgegeben“ werden ohne jede Nachkontrolle und ohne jede Information der Bürger, was sie da möglicherweise künftig in ihrem Alltag an teilweise noch strahlendem Material umgibt. Die dritte Portion soll 1,5 % ausmachen laut Schätzungen über 4.400 Tonnen, die der Presse genannt wurden (Stand 8/2015, ein Jahr vorher wurde intern noch von 11.200 Tonnen gesprochen, also 3 bis 4%). Davon sollen 3.350 Tonnen auf die Deponien in Schwieberdingen und bei Horrheim und Ensingen kommen, und 1.050 Tonnen sind geplant für die Deponie Vogelsang über Heilbronn, auf der schmutzigen Rückseite des Wartbergs. Auf den beiden erstgenannten Deponien liegt aber auch schon radioaktiver Müll aus den üblen Karlsruher Atomanlagen. Und möglicherweise kommen auch Müllanteile aus den ersten beiden Portionen zusätzlich noch auf diese Deponien. Letztlich gibt es da zwei Gefahren: dass unkontrolliert immer mehr an Strahlenmüll auf einen Platz kommt, und dass das radioaktive Material früher oder später das Grundwasser und das Mineralwasser erreichen könnte.
Nur knapp 1 % des Mülls will man als noch überwachungsbedürftig betrachten und der vierten Portion zuordnen.

Die Arbeitsgemeinschaft AtomErbe Neckarwestheim fordert, dass komplett auf das unverantwotliche „Freigeben“ und „Herausgeben“ verzichtet werden muss, denn diese sind ein Verbrechen an unserer Zukunft. Dieses Material muss komplett und dauerhaft am AKW-Standort gelagert werden (bzw. in Neckarwestheim wegen der fatalen geologischen Situation nicht am Standort selbst, aber in dessen Nähe). Und es muss verboten werden, dass bei der Zerlegung wie bisher geplant Radioaktivität in Wasser und Luft gegeben wird.

Die IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs – Ärzte in sozialer Verantwortung) gehen noch einen Schritt weiter und fordern, dass nach dem Ausbau aller stärker radioaktiven Teile aus dem AKW der gesamte Rest ohne weitere Zerlegung am Standort stehen bleiben muss, weil jede Handhabung zusätzliche radioaktive Belastung ermöglicht.

Leider beherrschen AKW-Betreiber, Politiker, Behörden und Deponie-Betreiber viele Tricks der Verschleierung. Das fängt mit dem de-minimis-Prinzip an, das bundesweit sogar zweistellige Zahlen zusätzlicher Todesfälle jährlich noch als belanglos betrachten würde. Und hört bei Schlamperei und Intransparenz noch nicht auf. Und was soll man davon halten, dass das Land Baden-Württemberg gleichzeitig AKW-Besitzer, Atomaufsicht und Deponie-Besitzer ist (Bergwerks-Deponien in Heilbronn und Kochendorf mit Giftmüll und radioaktivem Müll)? Da ist Misstrauen der Bürger nicht nur berechtigt, sondern dringend nötig.

Einige Bürger aus Schwieberdingen werden deshalb aktiv. Sie sorgen sich wegen der Einlagerungen in „ihrer“ Deponie „Froschgraben“. Am Dienstag 23.2.2016 veranstalten sie deshalb einen Vortrags- und Diskussionsabend:

Schwach radioaktive Abfälle auf der Schwieberdinger Deponie„, um 19:30 Uhr in der Bruckmühle, Vaihinger Straße 23 in Schwieberdingen.
(Die Bruckmühle: in der OpenStreetMap-Karte und in der Wikipedia.)

Hier gibt es den Flyer der Veranstaltung. Eintritt frei. Herzliche Einladung!

Strahlend freigemessen - Logo der besorgten Anwohner der Deponie Froschgraben in Schwieberdingen


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